Das Dilemma am Steg
Stellen Sie sich einen perfekten Morgen vor: Das Wasser ist spiegelglatt, die Sonne geht gerade auf, und Sie möchten mit Ihrem Boot zur ersten Ausfahrt des Tages ablegen. Doch schon beim ersten Beschleunigen folgt die Ernüchterung. Das Boot wirkt träge, erreicht kaum die gewohnte Endgeschwindigkeit, und die Verbrauchsanzeige schießt in die Höhe. Der Grund ist ein altbekanntes Ärgernis: Biofouling. Ein unansehnlicher „Bart“ aus Algen, Muscheln und Bakterien am Rumpf hat den Strömungswiderstand massiv erhöht.
Bisher galt der Kampf gegen den Bewuchs als notwendiges Übel, das entweder mit giftiger Chemie oder logistischem Stress beim „Slippen“ erkauft wurde. Doch eine technologische Sensation aus der brandenburgischen Lausitz schickt sich an, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Ein „Hidden Champion“ aus Luckau zeigt, wie man mit einer Prise Ingenieurskunst und gewöhnlichem Leitungswasser den Wassersport nachhaltig transformiert.
Die unsichtbare Giftquelle: 4.000 Tonnen Chemie in unseren Seen
Die klassische Lösung gegen Bewuchs heißt Antifouling – eine Schutzbeschichtung, die kontinuierlich Biozide, Algizide oder Schwermetalle freisetzt. Was den Rumpf schützt, ist für unsere Ökosysteme verheerend.
„In Deutschland werden jährlich rund 4.000 Tonnen dieser umweltschädlichen Biozide durch die etwa 500.000 registrierten Sportboote in die heimischen Gewässer eingetragen.“
Doch es geht nicht nur um die Ökologie, sondern auch um massives Kapital. Die dauerhafte Nasslagerung birgt erhebliche Materialrisiken: GFK-Rümpfe sind permanent von Osmose bedroht, während an Antrieben und Propellern die elektrochemische Korrosion nagt. Werterhalt bedeutet bisher oft ein teures, zweijähriges Wartungsintervall mit giftigen Anstrichen, die leicht vierstellige Beträge verschlingen.
Slippen vs. Liften: Warum die Rampe bald ausgedient hat
Die Alternative zur Gift-Beschichtung war bisher das Slippen. Doch jeder, der schon einmal eine rutschige, veralgte Rampe befahren hat, weiß: Das ist kein Vergnügen. Der logistische Aufwand ist enorm, oft muss eine ganze „Slipmannschaft“ aus zwei bis vier Personen sowie ein Treckerfahrer koordiniert werden. Der ADAC warnt zudem vor technischen Spätfolgen:
Massiver Verschleiß: Das Eintauchen des Trailers in oft salzhaltiges Wasser führt zu beschleunigtem Verschleiß an Achsen und Radlagern.
Wartungsfalle: Nach jedem Slipvorgang müssen Bremsen eigentlich „trockengefahren“ werden, um ein Festfressen zu verhindern – in der Praxis oft unmöglich.
Sicherheitsrisiken: Rutschgefahr für das Personal und die Gefahr, dass das Zugfahrzeug über die Unterwasserkante der Rampe gerät.
Moderne Hebetechnik bietet hier die überlegene Antwort. Die Vorteile der Trockenlagerung sind bestechend:
Lückenloser Osmoseschutz: Der Rumpf kann nach jeder Fahrt vollständig abtrocknen.
Schutz vor Korrosion: Antriebe und Getriebe befinden sich außerhalb des aggressiven Milieus.
Werterhalt & Sicherheit: Schutz vor Sturmschäden, Wellenschlag und eine deutlich verbesserte Diebstahlsicherung.
Weltneuheit aus der Lausitz: Hydraulik, die man trinken könnte
Hier kommt AMS WATERFRONT SYSTEMS ins Spiel. Mit dem
„WFS Lift“ haben die Luckauer Ingenieure einen echten Gamechanger entwickelt, der 2024 mit dem Zukunftspreis Brandenburg und 2025 mit dem Innovationspreis Brandenburg ausgezeichnet wurde. Die technische Brillanz liegt im Verzicht auf Öl. Während herkömmliche Lifte bei Leckagen eine Umweltkatastrophe am Steg riskieren und man generell mit einem gewissen Maß an Öl-Emission rechnen muss, nutzt dieses System das Prinzip der Klarwasserhydraulik.
Das Herzstück ist ein hochwertiges Kränzle-Hochdruckaggregat, das über eine simple 220-V-Leitung betrieben wird.
Die Konstruktion ist für die Ewigkeit gebaut:
Speziell entwickelte Edelstahlventile steuern den Wasserfluss, während hochbeanspruchte Gelenke mit langlebigen Rotgussbuchsen und Edelstahlbolzen gelagert sind. Es ist die weltweit erste serienreife Anlage dieser Art und wurde konsequenterweise mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ zertifiziert.
„Mit dem WFS Lift zeigen wir, dass ökologisches Umdenken und technologische Innovation Hand in Hand gehen können – und das aus der Lausitz heraus“, erklärt unser Geschäftsführer Steffen Hein.
Der administrative „Turbo“: Schneller zur Genehmigung
Ein oft unterschätzter Faktor ist der rechtliche Vorteil. Wer in Deutschland eine Anlage an oder in einem Gewässer errichten will, sieht sich mit den strengen Auflagen des Bundes-Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) und den Unteren Wasserbehörden konfrontiert. In sensiblen Naturschutz- oder Wasserschutzgebieten ist die Genehmigung herkömmlicher Ölhydraulik aufgrund des Kontaminationsrisikos oft ein aussichtsloses Unterfangen.
Da der WFS Lift nachweislich ohne wassergefährdende Stoffe arbeitet, wird die Umweltverträglichkeitsprüfung zum administrativen „Turbo“. Darüber hinaus sind die Anlagen nicht fest mit dem Untergrund verbunden, sondern stehen auf Tellerflächen. Dies verkürzt ebenfalls das Genehmigungs-verfahren gegenüber der Installation einer fest verbauten Slipanlage. Wo andere Systeme scheitern, ermöglicht die saubere Technik aus Luckau oft erst die Genehmigung und verkürzt die behördlichen Verfahren signifikant.
High-Tech am Smartphone: Wenn das Boot „schwebt“
Die Bedienung ist so intuitiv wie das Entriegeln eines modernen Autos. Per Smartphone-App oder Funkfernbedienung (ICARUSblue) wird das Boot in Sekundenschnelle und nahezu geräuschlos eingewassert.
Modularität wird dabei großgeschrieben: Landanschlüsse für die Bordbatterien oder ein integrierter Hochdruckanschluss für die Rumpfpflege direkt am Lift machen den Service perfekt.
Das Modellportfolio lässt keine Wünsche offen:
WFS Lift: Stationäre Anlagen für Motor- und Segelboote bis zu einer Traglast von 4 Tonnen.
WFS FloatLift: Eine schwimmende Lift-Variante mit unsinkbaren, schaumgefüllten Pontoons. Clou dabei:
Die Schwimmkörper dienen als stabile Catwalks (Laufstege) für den komfortablen Einstieg.
WFS EasyLift & EasyJacks: Manuelle und mechanisch-elektrische Lösungen, etwa für Jetskis oder das schnelle Umsetzen von Booten vom Trailer in nur 10 Minuten.
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Fazit: Ein neuer Standard für die Gewässer von morgen
Die AMS Alteno GmbH markiert den Wendepunkt für einen verantwortungsbewussten Wassersport. Dass dieser Impuls aus der Lausitz kommt, unterstreicht die beeindruckende Transformation der Region hin zu einem Zentrum für High-End-Umwelttechnik. Die Kombination aus Maschinenbau-Präzision und ökologischer Radikalität setzt einen neuen Standard, der weit über brandenburgische Seen hinausreicht.
Für Eigner stellt sich heute nicht mehr die Frage nach der passenden Chemie, sondern nach der passenden Technik: Sind Sie bereit, die giftige Altlast am Rumpf hinter sich zu lassen und auf die saubere Kraft von Wasser zu setzen?